Bericht 4: Wie Luis das Erdbeben erlebte

Der 16. April 2016 wird für ihn unvergesslich bleiben

09.06.2016

4. Reisebericht

Luis erzählt über das Erdbeben

„Luis, ich freue mich sehr, Dich nach all den Jahren wiederzusehen. Vor allem freut es mich, dass Deiner Familie und Dir nichts passiert ist. Kannst Du mir erzählen, wie Du das Erdbeben am 16. April 2016 erlebt hast?“

„Ja Konstantin, es war unglaublich, es war ein sehr starkes Beben, das stärkste, das ich je erlebt habe. Um etwa 19.00 Uhr (Ecuadorzeit) hatte mein Haus in Mindo sehr gewackelt, doch zum Glück ist nichts passiert. Ich hörte, wie die Nachbarn vor Angst geschrien haben und auf die Straße gelaufen sind. Meine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt in Quito. Sie haben mich gleich angerufen und gesagt, dass auch ihnen, Gott sei Dank, nichts passiert ist. Auch sie hatten sehr große Angst. Das war ein Beben der Stärke 7,8. In 1987 habe ich eines erlebt von etwa 6,2. Es war kein Vergleich zu diesem. Wir wohnen auf dem Pazifischen Feuerring. Es ist nun mal ein Erdbebengebiet, und wir wissen das und müssen auch damit leben.“

„Lernt man hier, wie man sich bei einem Beben verhalten muss?“

„Ja, den Kindern in der Schule wird erklärt, was man in einem solchen Fall tun muss. Zum Beispiel, das Haus zügig aber dennoch mit Vorsicht verlassen und sofort einen sicheren Ort aufsuchen. Viele haben einen Rucksack vorbereitet, in dem sich eine Taschenlampe, Wasser und Medikamente befinden. Schließlich weiß man nie, wann wieder so etwas  passiert.

„Wie ist das jetzt mit den Menschen in Ecuador, wollen viele das Land verlassen und an einen sichereren Ort gehen?“

„Nein, die Leute wollen hier bleiben, also auch in den Orten wie Pedernales, Manta oder Canoa, dort wo das Epizentrum war. Viele haben Angehörige verloren, ihr Zuhause, ihr gesamtes Hab und Gut. Doch zum einen können sie aus finanziellen Gründen nicht weg und zum anderen wollen sie nicht weg, da sie hier geboren wurden oder schon lange dort leben. Sie schlafen und leben jetzt in Zelten draußen auf der Straße. Sie wollen versuchen, ihre Häuser wieder aufzubauen um weiter zu machen.“

„Hast Du jemanden im Bekanntenkreis, der in Mitleidenschaft gezogen wurde.“

„Nein, Gott sei Dank nicht. Meine Angehörigen und Freunde wohnen in Quito, Cumbayá oder Mindo, also relativ weit weg vom Epizentrum. Hier war es glücklicherweise nicht so schrecklich wie an der Küste. Dort jedoch haben fast 30.000 Menschen alles verloren. Wir haben alle versucht zu helfen. Ob Lebensmittel, Wasser, Decken, Kleidung – ja selbst Matratzen wurde dort gebraucht. Es war einfach chaotisch dort. Wenn Du morgen mit viSozial in das Gebiet fährst, wirst Du es selber sehen. Es ist schrecklich.“

„Danke Luis. Ich habe etwas Angst vor morgen.“

Liebe Grüße aus Ecuador

Konstantin

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